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Jochen Topp, Geomant und Feng Shui Berater, gibt im folgenden Blogbeitrag Einblick ins Wirken des Genius Loci - dem Geist des Ortes - und wie man ihn wieder in die Arbeit am eigenen Grundstück integriert.

Wir sind umgegeben von geistigen Kräften, die wir in der Regel nicht sehen, wohl aber wahrnehmen können. Diese Kräfte kann man im Kontext der Geomantie auch als Genien, Atmosphären oder in der Summe als Genius loci (der Geist des Ortes) bezeichnen. Sie sind lebendige Realität und prägen einen Ort erheblich.

Die Arbeit mit dem Genius loci war ein fester Bestandteil der römischen Baukultur. Die Römer waren der Ansicht, dass Landschaft belebt und beseelt ist. Der Genius wurde als eine in der Landschaft inkarnierte Wesenheit angesehen. Er war ein Hüter des Ortes und erzeugte eine ihm entsprechende Atmosphäre. Er wurde somit auch als „Person“ verstanden. Die Landschaft war der Körper des Genius. Seine seelischen Aspekte zeigten sich aus Sicht der Römer in der Landschaftsform, der Atmosphäre, in Steinen, Pflanzen, Tieren usw.

Für die Römer war eine stimmige Beziehung von Stadt und Genius besonders wichtig. Baute oder arbeitete man gegen den Genius, erlosch die Kraft des Ortes. Arbeitete man mit ihm, waren die Voraussetzungen für Wohlstand und Glück gesichert.

„Für das architektonische Verständnis der Römer ist entscheidend, dass die Atmosphäre eines Bauwerkes erst dann entsteht, wenn der Mensch die Gestaltung im Sinne des Genius vornimmt, so dass Form und Ausprägung diesem entsprechen!“  (Hans Jörg Müller)

Zum besseren Verständnis der Arbeit mit dem Genius werfen wir einen Blick in die römische Geschichte. Eine der zentralen Aufgaben geomantischer Baukunst bestand darin, dem Genius einen Sitz anzubieten, z.B. in Form oder in Gestalt einer Skulptur. Diese wurde z.B. auf dem Schnittpunkt von Großraumgittern (Cardo- und Decumanus) platziert. Sie stand auf einer Säule in der Mitte der Stadt und bildete eine Axis mundi, eine Weltenachse, die Verbindung von materieller und geistiger Welt. Der Genius bekam somit eine lebendige und fassbare Gestalt, er galt als Beschützer der Stadt und als die verbindende Einheit zwischen der geistigen Welt  und den Stadtbewohnern.

Die Integration des Genius kann auch durch die Aufnahme der Topographie oder der Raumstruktur in die Architektur erfolgen.

„In der klassischen Baukunst werden meist abstrahierte Formen des Organisch-Körperlichen verwandt, um den Genius baulich zu erfassen. Hohlformen wie Apsiden oder Kuppeln entsprechen der Form von Organen wie Herz, Bauch oder Kopf. Die Kuppel repräsentiert die Hirnschale, die Laterne die Fontanelle, den Zugang des Genius Loci. Raum und Genius Loci sind in dieser Bauform vereint. Komplexe Formen finden wir in den anthropogenen Mustern von Tempeln, Kirchen und Stadtanlagen der indischen, antiken und christlichen Bautraditionen. Das Vergessen oder Ablehnen dieser Vorgehensweise ist die Ursache dafür, dass es heute nicht mehr gelingt, Orte mit hoher atmosphärischer Dichte und seelischer Präsenz zu schaffen, wie es unseren Vorfahren noch zu mittelalterlicher Zeit gelang“. (Hans Jörg Müller).

Genius Loci in neuem Kontext

Bei einer Neubauplanung besteht z.B. die Möglichkeit, im Garten oder Haus eine Skulptur oder ein Symbol für den Genius zu platzieren und ihm so einen Platz anzubieten bzw. zu schenken. Man kann auch Steine setzen, einen Baum pflanzen oder Wasser anlegen. Um den Sitz des Genius herum, entsteht ein atmosphärischer Raum, der wiederum den Garten, das Haus und deren Bewohner bereichert. Dieser Raum wird zusätzlich dadurch unterstützt, dass man den Sitz gestalterisch umfasst, z.B. mit Pflanzen oder Steinen. Diese Umfassung verstärkt die Wirkung und macht den Bewohnern die Verbindung mit den Ortskräften immer wieder bewusst. Das Symbol wirkt wie ein Gedächtnisanker. Wichtig ist, diesen Platz zu respektieren und zu pflegen. Das Symbol kann auch abstrakt sein und sollte dem ästhetischen Empfinden der Bewohner entsprechen. Es muss passen und stimmig sein, sonst wird es zum Fremdkörper. Das macht dann keinen Sinn, denn es geht ja um Integration. 

In früheren Zeiten wurde z.B. der Firstbalken aus einem Baum gemacht, der auf dem Baugrundstück stand und beim Hausbau gefällt wurde. Dadurch erfolgte eine Integration des Genius ins Haus. Man kann auch Steine vom Grundstück oder aus der Grundstücksnähe verwenden, um diese in die Innen- oder Außengestaltung zu integrieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Baumaterial aus der unmittelbaren Umgebung zu verwenden oder einen Teil des Grundstücks der Natur zu überlassen und nicht mehr zu betreten. Hier darf dann alles leben und wachsen, wie es seiner „Natur“ entspricht.

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